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Ailleurs.
Zwischen Mittelpunkt und Fortsein. eine Vortragsperformance aus der fiktiven Völkerkunde nach Texten von Henri Michaux | mit Caroline Keufen und Olaf Reitz
Die Ruhe und die Befürchtung. Das sind die weiten Reisen der Hirschkuh und des Panthers, bis sie aufeinandertreffen.
Ein Libellenflügelblick senkt sich auf die geliebte Person und reimt die Welt demjenigen, der sie singen muss, ohne sie zu kennen.
H. Michaux “Passagen”
Henri Michaux geboren 1899 im belgischen Namur, gestorben 1984 in Paris, ist als Maler, Zeichner, Schriftsteller, Drogenexperimentator und Reisender eine der paradigmatischen Figuren des 20. Jahrhunderts. Er veröffentlichte Reiseberichte sowohl von Reisen in geografisch verortbare Länder, z.B. „Ecuador“ (1929) oder „Ein Barbar in Asien“(1933), als auch Studien aus imaginären Ländern:„Die Reisen nach Großgarabanien“ (1936), „Im Land der Magie“(1941), „Hier, Poddema“(1946).
Die Reisen nach Groß Groß-Garabanien
erschienen erstmals im Jahr 1936. Im Vorwort der 1948 veröffentlichten Ausgabe der Reiseberichte unter dem Titel „Ailleurs / Anderswo“ schreibt Michaux:
Der Autor hat sehr oft anderswo gelebt: zwei Jahre in Garabanien, ungefähr genau so viel im Land der Magie, etwas weniger in Poddema. ... Diese Länder haben ihm nicht immer besonders gefallen. Es gibt Orte, in denen wäre er beinahe heimisch geworden. Nicht richtig. Man kann sich vor Ländern nicht genug in Acht nehmen. ... Einige Leser fanden diese Länder etwas befremdlich. Das wird nicht andauern. ... Er übersetzt auch die Welt, der er entkommen wollte. ... Diese Länder sind, wie man feststellen wird, letztlich vollkommen natürlich. Man wird sie bald überall wieder finden... natürlich wie die Pflanzen,die Insekten, natürlich wie der Hunger, die Gewohnheit, das Alter, der Gebrauch, die Sitten, die Gegenwart des Unbekannten ganz nah am Bekannten. Hinter dem, was ist, was beinahe gewesen wäre, was versucht hat zu sein, gedroht hat zu sein, und was unter Millionen Möglichkeiten anfing zu sein, seine Anlagen aber nicht vollenden konnte. Sitten und Gebräuche einiger sehr außergewöhnlicher Völker werden hier beschrieben. Erstaunlich, komisch und abgründig, faszinierend intim bei all ihrer Befremdlichkeit, erscheinen sie wie Manifestationen seelischer Zustände, Bewohner von Seelenland- schaften. Manche von ihnen klingen wie ironische Selbstreflexionen. Einige dieser Völker kennt man aus eigener Erfahrung. Andere haben einzelne Qualitäten der gegenwärtigen Gesellschaft zu einer eigenen Kultur ausgeformt. Die Berichte aus Großgarabanien enthalten, wie viele fiktive Reisebeschreibungen, Sehnsucht und Kritik an der Welt. Als Gegenentwürfe, Fluchtversuche und Exorzismen zeichnen sie uns vor allem die Karte der Berührungen von Innen- und Außenwelt, ihre Überlagerungen, ihr Neben- und Miteinander.
Der Vortrag
erzählt von diesen unerhörten Wesen und Kulturen und ist selber ein Experiment über die Übertragung von (Text-)Welten, über die Annäherung und Durchdringung innerer und äußerer Räume. Zwei Referenten erwarten uns. Sie, enthusiastisch und extrovertiert, begrüßt das Publikum, liest die einleitenden Worte. Er, ruhig und zurückhaltend, beginnt den eigentlichen
Vortrag, kaum hörbar in ein Mikrofon sprechend. Sie ist sein Lautsprecher - über Kopfhörer mit dem Mikrofon verbunden, horcht sie, spricht mit und überträgt die Texte in den Raum, nach außen.
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